65. ADAC Westfalen-Lippe-Fahrt "Klassik"
Zuschauer von Oldtimer begeistert
 

Alte Autos erfreuen Herz und Auge – und sie wecken Erinnerungen. Dies ließ sich auch am Samstag bei der 65. ADAC Westfalen-Lippe-Fahrt trefflich beobachten. Regelrechte Zuschauermengen an der Strecke sowie an den Kontrollpunkten begrüßten bei herrlichstem „Cabrio-Wetter“ die 121 Fahrzeugbesatzungen mit Beifall und genossen dabei die wärmende Frühlingssonne.

Fotos und Videofilme von den seltenen und gepflegten auto-mobilen Schätzen wurden in Mengen produziert, und auch Benzingespräche mit den Fahrzeugteams standen hoch im Kurs. Bei der Zwischenstation im Emstalstadion Harsewinkel war schon so etwas wie Volksfeststimmung zu spüren. Dicht gedrängt schoben sich die Menschenmassen durch das Fahrerlager oder verfolgten die anschließende Zeitwertung im Innenraum des Stadions. Zahlreiche Fans waren mit ihren eigenen Oldies auf zwei oder vier Rädern angereist.
Zahlreiche Väter und Großväter strichen mit Nachwuchs an der Hand und leuchtenden Augen durch Starterreihen oder Fahrerlager und schwelgten in Erinnerungen an ihre ersten automobilen Erfahrungen. Überhaupt ist die Oldtimerszene fest in Familienhand. Zahlreiche Fahrzeuge wurden von Ehepartnern pilotiert – mit und ohne Kinder als Beifahrer. Aber auch die familiären Bindungen zwischen Mütter/Vätern und ihren Kindern vertieften sich durch die Zusammenarbeit im Cockpit. Die Mitfahrt im offenen Oldie genossen aber auch einige Familienhunde. In den Zuschauerreihen waren alle Altersgruppen vertreten. Mit Picknickkorb und Getränken ausgerüstet, jubelten sie den seltenen Fahrzeugen zu.
Das warme Wetter nutzen zahlreiche Starter, um die ADAC Westfalen-Lippe-Fahrt „offen“ zu absolvieren. Die Zuschauer bekamen dadurch hautnahe Einblicke in das Innenleben der meist britischen Roadster. Und auch dem kleinsten Fahrzeug im Starterfeld, dem von einem 6 PS-ILO-Motorradmotor befeuerten Kleinschnittger aus dem Baujahr 1954 bekam das Wetter in diesem Jahr sehr gut. Im vergangenen Jahr erwiesen sich die sehr warmen Temperaturen in Kombination mit den langen Steigungen des Teutoburger Waldes als verhängnisvoll für Kupplung und Kühlung des 125 ccm-Motörchens. In diesem Jahr konnten Vater Dieter und Tochter Petra Murke aus Augustdorf in ihrem im westfälischen Arnsberg produzierten Kleinstwagen ohne Verdeck und Rückwärtsgang den Applaus der Zuschauer im Ziel genießen. Am Ende belegten sie den 36. Rang in der Tourensportlichen Wertung und lagen dabei noch weit vor dem ungekrönten Publikumsliebling des Tages, dem mit 180 PS 30 Mal so starken Daimler-Benz Typ „S“ aus dem Jahr 1927. Wenn sich dessen Roots-Kompressor mit bollernder Geräuschkulisse zuschaltete, erschien das Leuchten in den Augen zahlreicher Fans an der Strecke.
Bei der Zieleinfahrt am Bielefelder Rathaus wurde das Starterfeld durch ein Spalier von applaudierenden Zuschauern geleitet. Nach dem Überqueren der Ziellinie gab es zur Belohnung ein Glas Sekt für die Fahrzeugbesatzungen, ehe es weiterging zur abendlichen Siegerehrung in den Räumlichkeiten der Bielefelder Mercedes-Benz-Niederlassung.

Seitens der Organisatoren des ADAC Ostwestfalen-Lippe war man begeistert von der Resonanz. „Die ADAC Westfalen-Lippe-Fahrt „Klassik“ verlief auch in diesem Jahr unfall- und weitgehend pannenfrei. Die Fahrzeugteams und auch die vielen, vielen Zuschauer hatten einen wunderschönen Tag – und wenn manche Fahrzeugbesatzungen mehr Kilometer fahren mussten als geplant, weil sie das Streckenbuch falsch


 


Die Startnummer 84 am Start in Bielefeld/ Horst Wilhelm und Hans-Hermann Sieker (beide Hüllhorst) auf Opel Kadett A Baujahr 1964.


gelesen hatten, tat das dem Spaß und dem Erfolg der Veranstaltung keinen Abbruch“, freute sich ADAC-Sportleiter Bernd Noltekuhlmann und versprach allen ostwestfälischen Oldtimerfans für das kommende Jahr wieder eine attraktive, 66. Auflage der ADAC Westfalen-Lippe-Fahrt.

ADAC- Westfalen-Lippe-Fahrt
-eine kleine Historie-

• In der 65. Auflage die drittälteste noch durchgeführte Motorsportveranstaltung der Welt

• Erstmals gestartet 1925 anlässlich des 50. Jubiläums des Hermannsdenkmal

• In den Anfangsjahren durchgeführt für Motorräder und Autos

• Starterfelder von bis zu 600 Fahrzeugen waren nicht ungewöhnlich

• Teilweise verfolgten bis zu 100.000 Zuschauer das Rennen an der Strecke

• Auch Rudolf Caracciola trug sich schon in die Siegerliste ein

• Nach dem Krieg erste Veranstaltung wieder 1950

• In den Siebzigern große Starterfelder mit bekannten Rallye-Größen wie Walter Röhrl

• Absage 1996 wegen fehlender Genehmigung

• Veranstaltung 1997 erstmals als ADAC-Ostwestfalen-Lippe-Rallye auf dem Nürburgring

• Auch in den Jahren 1998 und 1999 durchgeführt rund um den Nürburgring

• 60. Auflage im Jahr 1999

• Im Jahr 2000 abgesagt

• Die 61. Veranstaltung wird wieder unter dem Namen Westfalen-Lippe-Fahrt durchgeführt und ist ausgeschrieben als Oldtimer-Ausfahrt und Sportliche Oldtimerfahrt
Teilnehmen können alle drei- und vierrädrige Motorfahrzeuge, die älter als 25 Jahre sind

• Die 65. Veranstaltung wird am 23. April 2005 zum fünften Mal als „ADAC-Westfalen-Lippe-Fahrt Klassik“ veranstaltet und führt durch Bielefeld und den Kreis Gütersloh

In diesem Jahr ist mit 125 Fahrzeugen wieder eine Rekordbeteiligung zu verzeichnen

 

Die Startnummer 48 in der Wertungsprüfung in Harsewinkel: Erwin Sassenberg (Rahden) und Hans-Dieter Brinkhoff (Lübbecke) auf Opel Kadett C Coupe Baujahr 1974.